Klimaökologische Situation
Die Klimatopkarte gibt zunächst einmal ein Bild der Überwärmung des besiedelten Bereichs wieder. Heusenstamm stellt sich als eine schwach ausgeprägte Wärmeinsel dar. Ihre Intensität bleibt weit hinter dem zurück, was für das dicht besiedelte Kerngebiet des Frankfurter Raums typisch ist und ist sogar im Vergleich zu anderen Städten des Landkreises Offenbach als gering zu klassifizieren. Am besten lässt sich die klimaökologische Situation als "thermisch sehr gut ausgeglichenes Freilandklima mit geringen Anzeichen einer urbanen Überwärmung" beschreiben - nach bioklimatischen Kriterien ein ganz besonderer Gunstraum.
Im überwiegenden Teil der Siedlungsflächen bildet sich aufgrund der lockeren Bebauung und des hohen Grünflächenanteils keine dauerhafte Wärmeinsel aus. Insbesondere in den nahe am Waldrand gelegenen Siedlungsgebieten bewirkt kühle Luft, die vor allem auch während der Tagstunden aus dem Stammraum des Waldes langsam "heraussickert", dass sich die Luftmassen der besiedelten Flächen tagsüber nicht ganz so stark erwärmen. Gleichzeitig sind diese einströmenden Luftvolumina durch den Wald gefiltert, so dass sie besonders rein sind. Für den menschlichen Organismus sind dies außerordentlich günstige Bedingungen. Diese Waldluft dringt allerdings sehr langsam in die Siedlungsgebiete ein, so dass bevorzugt die Wohngebiete in Waldrandlage, bis zu einer Entfernung von ca. 400-500 m, davon profitieren. In Rembrücken ist dieser Effekt am deutlichsten ausgeprägt, in Heusenstamm lässt sich dasselbe Phänomen in der Siedlung Waldesruhe, in den Wohnvierteln westlich der Berliner Straße, nördlich der Isenburger Straße, zwischen Friedhof und Nieder-Röder Weg, zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Im Sommerfeld sowie zwischen Ernst-Leitz-Straße und Eibenweg beobachten. Hierbei bleibt jedoch zu beachten, dass die in die Siedlungsstrukturen integrierten Grünflächen, aufgrund der hier zu verzeichnenden Größe, ebenfalls ein hohes Abkühlungspotential aufweisen.
Bei windstillen Wettersituationen wird die Waldluft kaum bis ins Innere des Siedlungsgebietes vordringen, wenn sie keine Freiflächen, d. h. Grünanlagen oder Parks, breit angelegte, begrünte Straßen oder Spazier-/Radwege, als Leitbahn vorfindet. Ideal wäre ein Netz von Grünzügen, die das Stadtinnere mit dem Freiland verbinden.
Eine gewisse Tendenz zu einer sich verstärkenden Überwärmung ist im Gewerbegebiet beiderseits der Industriestraße festzustellen. Sie wird stellenweise durch große Hallen- und Produktionsgebäude und eine flächenhafte Versiegelung der Hof- und Rangierflächen hervorgerufen. Ein Temperaturausgleich dazu wird zur Zeit noch durch ungenutzte und deshalb bislang vegetationsbestandene Grundstücke sowie zahlreiche kleine Freiflächen innerhalb des Gewerbegebietes erreicht. Gegenwärtig stellt sich die Situation noch als unbedenklich dar. Für die weitere Entwicklung dieses Wirtschaftsstandortes sollten aber frühzeitig die klimaökologischen Ansätze für die Anlage von Gewerbegebieten (Grün- und Freiraumplanung, Dachbegrünung, Regenwasserversickerung) vorgeschrieben werden.
Die für Heusenstamm wichtigsten Kaltluftentstehungsgebiete, die geeignet sind, thermische und lufthygienische Belastungen auszugleichen, erstrecken sich entlang des Bieberbaches von Süd nach Nord durch das östliche Stadtgebiet. Der gesamte Bereich zwischen Patershausen und der Geiswiese - zumeist durch Grünlandnutzung gekennzeichnet - trägt während sommerlicher Hitzeperioden kräftig zur Bildung von Kaltluft während der Nacht bei. Diese Kaltluftmassen fließen langsam, dem Gefälle der Bieber folgend, nach Norden ab und queren dabei das Stadtgebiet von Heusenstamm. Es handelt sich dabei um einen seichten, sehr langsamen Luftstrom, der durch Hindernisse leicht ganz zum Erliegen gebracht werden kann. Deshalb ist es um so wichtiger, die Leitbahn dieser Luftbewegung frei zu halten. Schon hoch gewachsene Baumreihen, die quer zur Fließrichtung der Kaltluft stehen, können kräftige Hindernisse sein. Aber auch Dammanlagen für Straßen oder Bahnlinien schränken das Abfließen der Kaltluft ein. Am Ortsrand von Heusenstamm, entlang der Straßen Im Sommerfeld, Ringstraße, Rembrücker Straße staut sich die Kaltluft an. Ein Teil fließt entlang der Bieber ab und versorgt den Bereich des alten Ortskerns zwischen Schloss und Bahnhof mit einer frischen Luftbewegung. Ein wesentlicher Teil der gestauten Kaltluft dringt langsam randlich in die Wohnviertel ein und erreicht die Wohngebiete zwischen Hans-Hemberger-Straße, Eisenbahnstraße, Frankfurter Straße und Rembrücker Straße. Dies sind gerade die Gebiete, die von der aus dem Wald heraussickernden Kaltluft nicht mehr erreicht werden. So ergibt sich insgesamt für Heusenstamm die außerordentlich günstige Situation, dass alle Wohnviertel auch bei windschwachen Wetterlagen in den Genuss von Kaltluftbewegungen kommen, die die Temperaturunterschiede mildern und die örtlich freigesetzten Emissionen vermischen und abtransportieren.
Der Vollständigkeit halber sei zuletzt noch der Stadtteil Rembrücken erwähnt, auf den ebenfalls eine außerordentlich günstige klimaökologische Bewertung zutrifft. Dieses locker bebaute und sehr grüne Wohngebiet zeigt keinerlei Anzeichen einer Überwärmung und ist zudem noch an allen Seiten von Wald und Grünland umrahmt, die für einen stetigen thermischen Ausgleich sorgen.